Rentenrealität
Obwohl die Rentenkassen prall gefüllt sind, können Ruheständler im kommenden Jahr nur mit einem Prozent Erhöhung ihrer Bezüge rechnen. Auch die Beitragszahler können frühestens 2011 mit einer Entlastung rechnen. Dies geht aus den aktuellen Schätzungen der Deutschen Rentenversicherung hervor, die dank der guten Konjunktur und der verbesserten Lage am Arbeitsmarkt diese positive Zwischenbilanz vorstellen konnte. Insbesondere mahnten die Experten, mit den Überschüssen wieder mehr Rücklagen in der gesetzlichen Rentenkasse aufzubauen.
Dem folgte das Bundeskabinett in seinem aktuellen Rentenversicherungsbericht sogleich, den es in der letzten Woche verabschiedet hat. Die Politiker der Regierungskoalition haben sich also davor gehütet, etwaigen Begehrlichkeiten nachzugeben, die angesichts der guten Zahlen aufkommen könnten. Denn an der Grundsituation im Rentensystem hat sich dennoch nichts geändert. Mit den jetzt erzielten Überschüssen wird lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Notreserve wieder aufgefüllt, nachdem man in den letzten Jahren immer von der Hand in den Mund gelebt hat und nur haarscharf an der Untergrenze dieses Finanzpolsters entlang gehangelt ist. Aufgrund der demographischen Entwicklung stehen immer weniger Beitragszahlern immer mehr Bezieher von Rentenansprüchen gegenüber. Die gesetzliche Rente allein reicht daher nicht mehr aus, insbesondere die Jüngeren sind angehalten privat vorzusorgen, obwohl selbst dies nicht hundertprozentige Gewähr gegen Altersarmut bietet. Da die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen immer mehr ansteigt und somit die Rentenbezugsdauer länger wird, war die Rente mit 67 eine logische Folge um den finanziellen Rahmen nicht zu sprengen.
Dies ist die Realität im deutschen Rentensystem So wünschenswert und nachvollziehbar die Forderungen nach niedrigeren Beiträgen, höheren Renten und früherem Renteneintrittsalter auch sind, sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Aufgrund der oben beschriebenen Fakten, wird sich diesbezüglich in den kommenden Jahrzehnten nicht viel ändern, vorausgesetzt man will nicht den Generationenvertrag aufkündigen und nach dem Motto “Nach uns die Sintflut“ leben.
Jens Ginal, für die Jusos Schriesheim-Dossenheim.
27.11.07
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