Sind Jugendliche reif für den Arbeitsmarkt?
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Einzelne Großunternehmen sparen sich die Ausbildungsplätz inzwischen ganz und setzen stattdessen auf Rationalisierung und Gewinnmaximierung. Dass hierbei eine Kurzsichtigkeit sondersgleichen vorliegt, zeigt das Statement des Adidas Vorstandsvorsitzenden: "Wir können unsere Inovationsfähigkeit nicht kaputtmachen, indem wir ausbilden". Eine geradezu blödsinnige Aussage.
Das Ziel der Wirtschaft sei, so Harth, inzwischen nicht mehr die Heranziehung von qualifiziertem Nachwuchs, sondern vorrangig die Beschäftigung von Billigarbeitskräften. Letztendlich gräbt man sich damit allerdings selbst das Wasser ab.
Auch im Öffentlichen Dienst seien die Ausbildungsplätze in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Während zum Beispiel noch vor wenigen Jahren an der Universität Heidelberg noch bis zu 100 Ausbildungsplätze in sämtlichen Bereichen angeboten wurden, sank die Zahl auf inzwischen 20. Dieser traurige Rückgang ist darüber hinaus landesweit zu beobachten.
Desweiteren wurden die Arbeitszeiten im Öffentlichen Dienst erhöht, was dazu führt das Auszubildende keinen Platz mehr finden. Laut Aussage von Herrn Harth versuchen die Gewerkschaften an dieser Stelle zwar gegenzusteuern, seien aber nur zu Teilerfolgen oder Kompromissen im Stande.
Im weiteren Verlauf referierte die Psychologin Petra Kober über die Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt und ihre Vermittlung in Ausbildungen. Sie warf als erstes die Frage auf was Unternehmen dazu bringt sich für einen bestimmten Bewerber zu entscheiden und was diese mitbringen müssen. Auch sie stellte klar, dass ein vorhandener Schulabschluss unablässig ist. Desweiteren spielt die Fähigkeit mit den neuen Medien umgehen zu können heutzutage eine wichtige Rolle. Darüber hinaus spielen auch die sogenannten "soft skills", die früher Tugenden genannt wurden, eine wichtige Rolle. Hierzu zählen unter anderem Pünktlichkeit, Teamfähigkeit, Engagement und Ausdauer. Leider wissen Jugendliche heute oft nur unzureichend wie sie auch diese Eigenschaften in einer Bewerbung deutlich machen können. Dies gilt es den Jugendlichen zu vermitteln. Petra Kober sieht deshalb eine Bewerbung als eine Art "Selbstmarketing", bei der man sich am besten darstellen sollte. Es gilt hierbei zum Beispiel nicht nur den beruflichen Werdegang aufzuzeigen, sondern auch auf Engagement in Vereinen oder gemeinnützigen Organisationen einzugehen. Dies zeige einem Arbeitgeber, dass der Bewerber sich durchaus für etwas begeistern kann und über diese "soft skills" verfügt.
Während der anschließenden Diskussion zeigte sich schnell, dass die Zuhörer sehr daran interessiert waren wie es überhaupt erst zu diesen großen Defiziten bei Jugendlichen kommen kann. Denn eigentlich sollte ihnen bereits vorher klar sein, dass sie über die "soft skills" verfügen sollten. Das wahre Problem scheint schon zu entstehen, wenn Eltern sich nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern und ihnen nicht das nötige Rüstzeug fürs Leben mitgeben. Deshalb konzentriert sich die Ausbildungsmisere so stark auf Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Die Eltern sind in diesen Familien oft sehr mit sich selbst beschfätigt, in Lethargie verfallen und kümmern sich nicht um ihre Kinder. Dieses Problem führt letztendlich dazu, dass die Arbeitslosigkeit in vielen Familien schon in die zweite Generation geht. Allerdings kann es zu solchen Vernachlässigungen genauso auch in Akademikerfamilien kommen. Dahinter steckt, nach Meinung der Diskutierenden, ein viel grundsätzlicheres, gesellschaftliches Problem, das nicht die Politik lösen kann. Insgesamt ist in unserer Gesellschaft ein Verlust an Gemeinschaft und sozialem Zusammenhalt feststellbar, der inzwischen nicht nur bei Eltern, sondern auch bei Jugendlichen zu großen Problemen führt.
Auch auf das Problem, dass es heute nicht mehr so viele einfache Tätigkeiten gibt, denen man ohne große Vorkenntnisse nachgehen und dafür anständig bezahlt wird, wurde ausführlich eingegangen. Als Beispiel wurde die Entwicklung im KFZ Bereich genannt, in dem es heute nicht mehr genügt sich mit Mechanik und Fahrzeugtechnik auszukennen, sondern darüber hinaus Kenntnisse mit EDV Systemen erforderlich sind. Die Löhne wurden diesem Sprung allerdings nicht angepasst.
Lösungen Im großen Rahmen konnte die Diskussionsrunde natürlich nicht liefern, aber Wege aus der Krise für den Einzelnen bot sie allemal.
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