Themenabend zur Jugendgewalt
“Verroht, brutal, rücksichtslos? Wie ist die Jugend wirklich?“, so lautete der Titel unseres Themenabends über Jugendgewalt auf dem Push-Gelände. Zunächst zeigten wir den Fernsehfilm “Wut“. In dem Film geht es um den Konflikt eines deutschen Jungen und seiner bürgerlichen Familie mit einem kriminellen türkischen Jungen, der schließlich in einem dramatischen Ereignis endet. Der empfehlenswerte Film zeigt in beeindruckender Weise die Integrationsprobleme bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und die daraus resultierenden Folgen.
In der anschließenden, hoch interessanten Diskussion, machte zunächst Karl-Heinz Bartmann von der Polizeidirektion Heidelberg anhand von Statistiken deutlich, wie sich die Jugendkriminalität in Baden-Württemberg und speziell im Rhein-Neckar-Kreis in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Dabei zeigte sich, dass die Kriminalität bei den Jugendlichen sogar leicht abgenommen hat. Angestiegen sind allerdings die Gewaltdelikte und speziell die gefährliche Körperverletzung. Die meisten der Körperverletzungsdelikte geschehen unter Alkoholeinfluss, deshalb sei es um so wichtiger, gegen das unter Jugendlichen beliebte “Flatrate-Saufen“ massiv vorzugehen, so Bartmann. Die Präventionsprogramme der Polizei, insbesondere an Schulen oder aber auch das Altstadt-Programm in Heidelberg tragen dazu bei, den weiteren Anstieg bei den Gewaltdelikten einzudämmen.
Gerhard Greiner, Bürgermeister von Neulußheim, schilderte in einem spannenden Referat, wie ein paar Jugendliche, die fast alle noch minderjährig waren, im Jahr 2003 in seiner Gemeinde einen Obdachlosen totgetreten hatten und wie die Gemeinde mit den Folgen der Tat umgegangen ist. Für Greiner ist es am wichtigsten, den Jugendlichen wieder mehr Werte vorzuleben und sie beispielsweise durch Vereinsarbeit aus ihrer zunehmenden Individualisierung herauszuholen um dadurch auch mehr soziale Kompetenzen vermitteln zu können. Bereits in den Kindertagesstätten müsse man damit anfangen die Kinder dementsprechend zu erziehen, so Greiner, da zu diesem Zeitpunkt die Lernfähigkeit diesbezüglich am größten und nachhaltigsten sei.
Fred Hermann, der an der Johann-Phillip-Reis Schule in Weinheim unterrichtet, brachte zum Ausdruck, dass es wohl hauptsächlich die Perspektivlosigkeit ist, die Jugendliche dazu bringt kriminell und gewalttätig zu werden. In seiner Klasse hätten die wenigsten einen Ausbildungsplatz bekommen, der Großteil seiner Schüler wisse jetzt noch nicht wie es mit ihnen im September weitergehen soll. Er bemängelte in diesem Zusammenhang hauptsächlich, dass den Lehrern einerseits viel zu wenig Zeit bliebe auf die Konflikte der Jugendlichen einzugehen und andererseits fehle es an einem dringend benötigten Schulsozialarbeiter, der die Lehrkräfte bei dieser Arbeit unterstützen könnte.
Nachdem die Referenten ihre Sicht der Dinge vorgebracht hatten entwickelte sich eine engagierte Diskussion mit den Zuhörern, deren Wiedergabe den Rahmen dieses Berichts sprengen würde, die aber gezeigt hat, dass wir sowohl mit der Themenauswahl als auch den kompetenten Referenten richtig lagen.
Jens Ginal, für die Jusos Schriesheim-Dos
04.07.07
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